Gemeinsame Tagung der IWBA und der IWBG 
Walter Benjamins ‚Treue' - true to Walter Benjamin?
Antwerpen, 14.-17.9. 2009
Vivian Liska, Daniel Weidner
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Benjamins Schriften haben ein erstaunliches Nachleben. Auch nachdem die heftigen Deutungskämpfe um sein Werk sich gelegt haben, sind seine Texte aktuell geblieben. Stellt sich die einst so heiß diskutierte Frage, wie man Benjamin ‚gerecht' werden könne, immer noch in anderer Form, oder ist seine Lektüre heute beliebig geworden? Und wie kann man die polarisierende Kraft seiner Texte und den sich daraus ergebenen Richtungsstreit der Vergangenheit selbst beschreiben? ‚Treue' mag freilich ein gewichtiger und unheimlich ‚deutscher' Name für diese Probleme sein - aber gerade dadurch adressiert er die Paradoxien der Überlieferung, denen auch Benjamins Werk anheimgefallen ist, und in denen sich Treue und Verrat oft nicht unterscheiden lassen.
Die Dialektik solcher Rezeptionsprozesse war Benjamin ebenso vertraut wie die Ironien der Treue. Seine Theorie der Kritik wie seine kritische Praxis leben aus dem paradoxen Impetus, etwas zu bewahren, um es zu zerstören und umgekehrt. Benjamin blieb seinen Gegenständen, seinen intellektuellen Orientierungen und sogar seinen Formulierungen treu, um sie in die je neue Konstellation des Denkens einzubringen. Die Treue der Wörtlichkeit in der Übersetzung, die Treue zu den Dingen (einem Nachmittag, einem Baum, einem Sonnenflecken), die Praktiken des Sammelns und Sicherns, aber auch der Gestus der Kontemplation und ihrer "hoffnungslosen Treue zum Kreatürlichen" prägen seine theoretische Haltung nicht weniger als die der Konstruktion, Destruktion und Mortifizierung.
Heute, angesichts des anhaltenden Interesses an Benjamin und sich der immer breiter ausdifferenzierenden Forschung gilt es, auf diesen Materialbezug ebenso zu reflektieren wie auf den Bezug der eigenen Lektüre zu ihrem Gegenstand. Soll man heute Benjamins Texte sichern oder popularisieren, soll man seine Gedanken ‚weiterdenken' oder gegen den Strich lesen, sie historisieren, oder sie in die Gegenwart übertragen und ‚anwenden'? Die Frage nach der Treue Benjamins und der Treue zu Benjamin bedeutet mehr als die vermeintlich objektive Frage nach einer ‚angemessenen' Lektüre - sie fragt nach dem eigenen Ort und der Gegenwart des Lesens und zwingt, die eigenartige Attraktion wie Abwehr der eigenen Lektüre gegenüber Benjamin zu reflektieren.
Sektion 1:BENJAMIN-LEGENDEN
(Detlev Schöttker)Sektion 2:MATERIALITÄT DES SCHREIBENS
(Davide Giuriato)Sektion 3:TREUE ZUM DINGSEIN
(Jane Newman)Sektion 4 :KUNST WISSEN
(Sabine Flach)Sektion 5:BUCHSTABEN-TREUE
(Bettine Menke)Sektion 6:VERRÄTERISCHE TREUE ZUM ZITAT
(Gerhard Richter)Sektion 7:NACHGELASSENES SCHREIBEN
(Burkhardt Lindner)Sektion 8:TREUE, POLITIK UND FETISCHISIERUNG
(Jeanne Marie Gagnebin)Sektion 9:POPULAR BENJAMIN
(Justus Fetscher)Sektion 10:KORRESPONDENZEN
(Momme Brodersen)Sektion 11:TREULOSE GESCHICHTE
(Paul North)Sektion 12:ÜBERSETZUNGEN UND UMSCHREIBUNGEN
(Karl Solibakke)Sektion 13::RELIGION, THEOLOGIE UND EINGEDENKEN
(Vivian Liska, Daniel Weidner)Organisation:
Vivian Liska (Vivian.Liska[a]ua.ac.be) - Daniel Weidner (weidner[a]zfl.gwz-berlin.de)
Kontakt:
antwerpen@benjamin-association.de
SEKTION 1: BENJAMIN-LEGENDEN
(DETLEV SCHÖTTKER)Seit Beginn der fünfziger Jahre hat die Rezeption Benjamins eine Reihe von Stadien durchgemacht, in denen ihm verschiedene wissenschaftliche Positionen zugeschrieben wurden: vom theologisch orientierten Metaphysiker über den politisch reflektierten Geschichts- und Gesellschaftstheoretiker bis hin zum Begründer einer sprach- und erfahrungstheoretisch orientierten Kultur- und Medienwissenschaft. Die Zuweisungen waren mit Annahmen über bestimmte Lebensformen Benjamins verbunden: Außenseiter und Exzentriker, Marxist und Verfolgter des Nationalsozialismus oder Universalleser und Diskursbegründer. Die Beiträge dieser Sektion sollen die Stadien der Rezeption auf dem Hintergrund ihrer wissenschafts-geschichtlichen Voraussetzungen untersuchen und entsprechende intellektuelle Positionsbestimmungen - unter Bezug auf Benjamins Texte - einer kritischen Würdigung unterziehen. Ruhmbildung könnte damit als Legendenbildung beschreibbar werden.
SEKTION 2:MATERIALITÄT DES SCHREIBENS
(DAVIDE GIURIATO)Benjamin war ein "Papierarbeiter", viele seiner Texte sind entweder das Ergebnis eines langwierigen Schreibprozesses oder gar nicht zu Ende geschrieben worden. Diese ‚allmähliche Verfertigung der Texte beim Schreiben' ist in der Forschung bekanntermaßen unterbelichtet geblieben. Benjamins Schriften sind nicht nur reich an Reflexionen über die medialen und materialen Bedingungen des Schreibens - alle Bereiche des Entstehungsprozesses sind von ihm auch in der Praxis bedacht worden. Die mikrologische Treue zum Detail hat sich dabei in einer liebevollen, bisweilen aber auch zwiespältigen skripturalen Praxis niedergeschlagen: Der akribischen Sorgfalt, mit der Benjamin seine Texte geschrieben und aufbewahrt hat, steht der Umstand entgegen, dass der Schreibprozess oftmals abgebrochen worden ist und die Manuskripte unfertig liegen geblieben sind. Erwartet werden Beiträge mit produktionsästhetischem Interesse an Benjamins materialer Poetik, beispielsweise zu Benjamins Arbeitstechniken (Schreibwerkzeuge und -materialien), zum Entstehungsprozess einzelner Texte, zu den Aspekten Handschrift vs. Druckschrift, Schriftbildlichkeit vs. Typographie oder zum konzeptuellen Verhältnis von Medienreflexion und Medienpraxis u.ä.
SEKTION 3:TREUE ZUM DINGSEIN
(JANE NEWMAN)Benjamin war bekanntlich ein Sammler, von Dingen, von Zitaten, von Texten. "Treue zum Dingsein" steht dabei mit sowohl seinen Reflexionen über Melancholie, der Theorie der Ruine und der Allegorie als auch mit seiner materialistischer Theorie und Kulturphilosophie im Zusammenhang. Wie verhält sich sein Verständnis der Dinge zum Begriffspaar von Objekt und Kopie, und inwiefern lässt sich Benjamins Theorie der Dingwelt für die Analyse konkreter Objekte in einer komplexen historischen Umwelt nutzen? Die Sektion diskutiert, wie sich Benjamins Sammeln zu seinem Duktus des Schreibens und Denkens verhält.
SEKTION 4 :KUNST WISSEN
(SABINE FLACH)"Viele von denen, die als Photographen das heutige Gesicht dieser Technik bestimmen, sind von der Malerei ausgegangen. Sie haben ihr den Rücken gekehrt nach Versuchen, deren Ausdrucksmittel in einen lebendigen, eindeutigen Zusammenhang mit dem heutigen Leben zu rücken. Je wacher ihr Sinn für die Signatur der Zeit war, desto problematischer ist ihnen nach und nach ihr Ausgangspunkt geworden", schreibt Benjamin in der Kleinen Geschichte der Photographie. Die Problematisierung des Ausgangpunktes bezeichnet zugleich auch Benjamins Treue: eine Treue zur Malerei, zur Kunst und künstlerischen Praktiken, die ihm als Folie aller Überlegungen zu neuen künstlerischen und vor allem der Medientechnologien dienen. Die Sektion diskutiert u.a. Benjamins Aufmerksamkeit für die durch die Apparate hervorgerufenen Wahrnehmungsveränderungen - das "Optisch-Unbewußte" -, das Programm einer "gegenseitigen Durchdringung von Kunst und Wissenschaft" und nicht zuletzt auch Benjamins Ausstellungsbesprechungen, um die Bedeutung der Künste für Benjamin einer Relektüre zu unterziehen.
SEKTION 5:BUCHSTABEN-TREUE
(BETTINE MENKE)Inwiefern taugt Treue zur Bestimmung der Benjaminschen zitierenden, schreibenden, lesenden Verhaltensweisen zu den Worten oder Buchstaben ? oder auch als Gebot, dem zu folgen ist, um seinen Texten zu entsprechen? Die melancholische "Treue" kann vom "Verrat" gar nicht abgelöst werden. Benjamins Kritik galt (u.a.) der "Haltung des Philologen", die philologischen wie historischen Sachverhalten als unmittelbaren, insofern mythischen Gegebenheiten aufsitzen. Das Lesen Benjamins, das sich an die Worte hält, folgt diesen anders, in Hinsicht ihrer Zerlegbarkeit. In diesem Sinne sollen die Beiträge dieser Sektion das Lesen Benjamins (im doppelten Genitiv) in Bezug auf die Haltung der Treue verhandeln.
SEKTION 6:VERRÄTERISCHE TREUE ZUM ZITAT
(GERHARD RICHTER)Walter Benjamins radikale Sprachphilosophie sowie seine Politik der Darstellung sind vom Begriff des Zitats und des Zitierens unabtrennbar. So heißt es bei Benjamin: "Vor der Sprache weisen sich beide Reiche - Ursprung so wie Zerstörung - im Zitat aus. Und umgekehrt: nur wo sie sich durchdringen - im Zitat - ist sie vollendet." Eingeladen sind Vortragsvorschläge, die Benjamins verräterischer Treue zum Zitat in den verschiendensten Bereichen seiner Texte nachgehen - z.B. in der Praxis literarischer Lektüre, in der Medientheorie, in der Geschichtsphilosophie oder in der Dekonstruktion des Begriffs der Treue selbst.
SEKTION 7:NACHGELASSENES SCHREIBEN
(BURKHARDT LINDNER)Was uns als Benjamins Oeuvre vorliegt, verdankt sich wesentlich seiner Nachlassgeschichte. Benjamins Texte explodieren verspätet, nach der Katastrophe des Weltkrieges; dass sie ihre produktive Herausforderung nicht eingebüßt haben, beruht in hohem Maße auf ihrer Schreibweise, die als unvereinbar geltende Gedanken miteinander konstelliert. Zahlreiche heute vieldiskutierte Texte wurden überhaupt erst durch ihre Edition aus dem Archivbestand bekannt. Dass dies möglich wurde, beruht ganz wesentlich auf dem Überlieferungswillen des Autors, der den Großteil seiner Aufzeichnungen, Manuskriptfassungen und Arbeitsnotizen zur Überlieferung bestimmte und strategisch klug als Nachlass adressierte. Ein Umgang mit Benjamins Texten, der sich, wie tendenziell die Gesammelten Schriften, am Prinzip der 'Werktreue' und der 'Fassung letzter Hand' ausrichtet, muss deshalb als fragwürdig erscheinen; welche Konsequenzen daraus für Lektüre (und Edition) von Benjamins Texten zu ziehen wären, soll in der Sektion an konkreten Exempeln diskutiert werden.
SEKTION 8:TREUE, POLITIK UND FETISCHISIERUNG
(JEANNE MARIE GAGNEBIN)Über Benjamin politisch zu arbeiten, heißt, ihn und sein Werk nicht in ein (linkes) Kulturgut zu verwandeln, sondern zu seiner kritischen Überlieferung beizutragen - heißt also, sich nicht mit einem abstrakten "Stand der Forschung" als universalem Kriterium zufrieden zu geben, sondern die historisch und geographisch spezifischen Bestimmungen dieser Überlieferung zu erarbeiten und ihre kulturellen Unterschiede zu analysieren. In der Sektion soll eine gewisse "Erschöpfung" der philologischen Forschung in Europa mit den öfter recht unbefangenen Versuchen einer unmittelbaren "Anwendung" Benjaminscher Kategorien auf gesellschaftliche Phänomene und Konflikte in Ländern mit einer kürzeren Rezeptionsgeschichte konfrontiert werden.
SEKTION 9:POPULAR BENJAMIN
(JUSTUS FETSCHER)Die schlicht prozedierenden Befassungen mit Benjamins Leben (Comics, Romane, Filme) versprechen, einen esoterischen Denker verständlich, einen engagierten Intellektuellen zu einem psychologisch ableitbaren Fall zu machen. Solche Popularisierungen scheinen schreckliche Simplifikationen zu sein, sind aber zugleich, potenziell, genuine Transformationen eines Werks, das die Produktivität und Unentbehrlichkeit der Interferenz von Fiktion und Theorie demonstriert. Benjamins transgressive Wendung gegen den "Gebietscharakter" der Kunst, die Elastizität seiner medientheoretischen Reflexionen und die Variabilität und Virtuosität seiner Schreibtechniken erlauben es, gerade in solchen Berufungen auf Benjamin die folgerichtigsten, dem Vorgehensstil nach treuesten Übersetzungen Benjamins in das kulturelle Idiom seiner Nachwelt zu sehen. Aber vielleicht sind Verfahren, die sich noch weiter entfernen von den Modi, in denen Benjamin agierte, noch näher an dem, was er vorgemacht hat.
SEKTION 10:KORRESPONDENZEN
(MOMME BRODERSEN)Hartnäckig hält sich das Gerücht, Benjamin sei, wo nicht lebenslang, zumindest in den Exiljahren intellektuell isoliert gewesen - komplementär dazu die gern kolportierte Behauptung, nur wenige persönliche Beziehungen (etwa die zu Adorno, Brecht oder Scholem) seien für seine intellektuelle Entwicklung von Belang gewesen. Vor allem die Korrespondenzen (deren Gegenbriefe meist noch unpubliziert sind) zeigen dagegen, dass sich Benjamin in einem dichten Netz von Beziehungen und Bekanntschaften bewegte. Statt "Treue" zu einem wie immer gearteten, gar ursprünglichen "eignen Wesen" waltet in diesem Wechselspiel von Austausch, Anregung und Kritik die permanente "Bereitschaft, ein neues [Wesen] in sich selbst zu empfangen". Die Sektion geht den Spuren von Übereinstimmung und Abweichung, produktiver Aneignung wie Ablehnung in den intellektuellen Beziehungen Benjamins nach und versucht, über die biographische Rekonstruktion hinaus auch Horizonte zur Erklärung gewisser Spezifika in Benjamins Denken zu erarbeiten.
SEKTION 11:TREULOSE GESCHICHTE
(PAUL NORTH)Die Sektion beschäftigt sich mit Benjamins Abwehr der historistischen Forderung, der Historiker solle seinen Gegenständen auf Treu und Glauben folgen. Aber auch die Behauptung, dass Historie ihre Gegenstände immer verrate, ist nicht weitreichend genug. Kann Geschichte als Idee sich selbst treu bleiben? Verlangen die vielen auf Geschichte anspielenden Begriffe Benajmins - etwa "unendliche Erstreckung" aus dem frühen Aufsatz über Hölderlin oder "Katastrophe" aus den späten Aufzeichnungen und viele andere aus der Zwischenzeit - nicht mehrere Geschichtstheorien, vielleicht sogar eine geschichtlich bestimmte Geschichtstheorie, um verstanden zu werden? Würde eine treu bleibende Geschichtstheorie eigentlich "die Katastrophe" überstehen können? Diese Sektion wird sich mit der epistemologischen Krise befassen, die von so einer verräterischen Geschichtstheorie verursacht wurde und die Frage stellen, wie Benjamins Texte auf diese Krise reagieren.
SEKTION 12:ÜBERSETZUNGEN UND UMSCHREIBUNGEN
(KARL SOLIBAKKE)"Wenn in der Übersetzung die Verwandtschaft der Sprachen sich bekundet, so geschieht es anders als durch die vage Ähnlichkeit von Nachbildung und Original." Vielmehr entstehen Zwischenräume verborgener Bedeutungen, die als dynamische Übersetzungsräume betrachtet werden: als Gestaltungsmöglichkeiten von Beziehungen, von Situationen und Interaktionen mittels Übersetzungsprozessen. Ausgehend von Benjamins Idee, dass Übersetzung die Agentur von Differenz ist, soll die Sektion konkrete Beispiele der weltweiten Bemühungen um die Übertragungen der Werke Benjamins in fremde Sprachen und Kulturräume untersuchen. Neben "Treue zum Original" soll auch nach kulturellen Transferrichtungen, Grenzverhandlungen und Bedeutungsverschiebungen gefragt werden, die eine "Umkartierung" des Denkens Benjamins zur Folge gehabt haben.
SEKTION 13:RELIGION, THEOLOGIE UND EINGEDENKEN
(Vivian Liska, Daniel Weidner)"Im Eingedenken machen wir eine Erfahrung, die uns verbietet, die Geschichte grundsätzlich atheologisch zu begreifen, so wenig wir sie in unmittelbar theologischen Begriffen zu schreiben versuchen dürfen". Benjamins ,Theologie', sein expliziter und betonter Rekurs auf religiöse Konzepte und Praktiken, folgt einer komplexen Logik. Denn Religion fungiert für ihn zugleich als Modell der Überlieferung, die immer auch als Destruktion zu denken ist, und als deren Gegenstand, ein Gegenstand freilich, der Treue im gleichen Maße verlangt wie er sie unmöglich macht. Wie das Zitat zeigt, changiert dieses Projekt zwischen der ,Erfahrung', in dessen Mitte sich sakrale Spuren finden, und dem ,Schreiben', das diese Spuren allererst artikulieren kann. Die Sektion untersucht das Zusammenspiel des Rückgriffs auf die religiöse Tradition mit der Schreibweise Benjamins und diskutiert die jüngeren Versuche einer Fortschreibung dieses Projekts etwa bei Jacques Derrida und Giorgio Agamben.
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The IWBA and IWBG 
Joint Conference
Walter Benjamins ‚Treue' - true to Walter Benjamin?
Antwerpen, 14.-17.9. 2009
Vivian Liska, Daniel Weidner.
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The afterlife of Benjamin's writings is remarkable. His texts have kept their relevance, long after the heated controversies about their meaning and ideological stance have subsided. Today, it seems valid to ask whether the question of how to do justice to Benjamin is still, in some form, alive. Or has the time come to document the polarizing forces caused by the conflicting orientations resulting from past readings of his texts? "Fidelity" - Treue - is undoubtedly a ponderous, cumbersome and uncanny "German" word, but that is precisely why it expresses the paradoxes inherent to the process of transmitting a thought that resists becoming tradition. These paradoxes have given rise to indeterminacies that often preclude clear distinctions between fidelity and betrayal.
Benjamin was as familiar with the dialectics of these processes of transmission and reception as he was with the ironies of fidelity. His theory of criticism as well as his critical practice both hinge on the paradoxical impetus of preserving in order to destroy and vice versa. Benjamin remained true to his topics, his intellectual orientation and even his formulations, while integrating them time and again into the changing constellations of his thinking. His fidelity to literalness in translation, the "faithfulness to things that have crossed our lives - an afternoon, a tree, patches of sun on the wallpaper" - his practice of collecting and preserving, but also his penchant for contemplation and attentiveness and its "hopeless fidelity to creaturely life" (hoffnungslosen Treue zum Kreatürlichen) characterize his theoretical attitude no less than construction, destruction and mortification.
Given the continuing interest in Benjamin und the broad range of research into his works, this faithfulness to the material at hand is as worthy of scholarly attention as is the need to reflect on the relationship one has to one's own readings of his work. Does the priority today lie in preserving or popularizing Benjamin's texts? Should we carry his thinking further, historicize it or project it onto the present. Exploring Benjamin's fidelity and the fidelity to Benjamin implies more than an objective search for "appropriate" readings of his work. It challenges the the standpoint and presence of his readers and forces them to reflect on the unique attraction or resistance to Benjamin's intellectual legacy.
Section 1:LEGENDS OF BENJAMIN
(Detlev Schöttker)Section 2:MATERIALITY OF WRITING
(Davide Giuriato)Section 3:TRUE THINGS
(Jane Newman)Section 4 :KNOWLEGDE OF ART
(Sabine Flach)Section 5:TRUE TO THE LETTER
(Bettine Menke)Section 6:TREACHEROUS FAITHFULNESS TO CITATION
(Gerhard Richter)Section 7:LEGACY AND WRITING
(Burkhardt Lindner)Section 8:FIDELITY, POLITICS AND FETISHISM
(Jeanne Marie Gagnebin)Section 9:POPULAR BENJAMIN
(Justus Fetscher)Section 10:CORRESPONDENCES
(Momme Brodersen)Section 11:PERFIDIOUS HISTORY
(Paul North)Section 12:TRANSLATIONS AND TRANSFORMATIONS
(Karl Solibakke)Section 13::RELIGION, THEOLOGY AND COMMEMORATION
(Vivian Liska, Daniel Weidner)Organisation:
Vivian Liska (Vivian.Liska[a]ua.ac.be) - Daniel Weidner (weidner[a]zfl.gwz-berlin.de)
contact:
antwerpen@benjamin-association.de
SECTION 1: LEGENDS OF BENJAMIN
(DETLEV SCHÖTTKER)Since the beginning of the 1950s the reception of Benjamin's works has passedgone through a number of stages and assigned him a variety of positions: from the theologically oriented metaphysician to the political, historical and sociological theorist and finally to the founder of cultural and media studies. These positions correspond to assumptions made about Benjamin's life: as an outsider and eccentric, a Marxist, and victim of political persecution during the period of National Socialism. The section will analyze the different stages of this reception, taking their presuppositions within historical contexts into account and correlating the various positions assigned to Benjamin with references from his texts. In view of the discrepancies posed by these presuppositions, Benjamin's fame might possibly be best described as a legend.
SECTION 2: MATERIALITY OF WRITING
Benjamin was a "paperworker" (Papierarbeiter). Many of his texts were either the outcome of a long writing process or have never been finished. This gradual "fabrication of texts in the process of writing" has barely attracted any critical attention. Benjamin's texts are not only riddled with reflections regarding the medial and material conditions of writing, he also paid attention to all the aspects of the creational process. His micrological faithfulness to details is reflected in his careful but sometimes ambivalent scriptural praxis: Benjamin's meticulous accuracy of writing and archiving his texts contrasts with a frequent failure to finish his own texts. As a result, many of his manuscripts remained fragments. Proposals for this section should focus on Benjamin's aesthetic of text production, his poetics of material, e. g. his working techniques (writing tools and materials), the creative process of individual texts as well as oppositions such as between handwriting and the printed word, image and typography or the correlation between the theory and practice of the media.SECTION 3:TRUE THINGS
(Jane Newman)It is well known that Benjamin was a collector of things, of citations, and of texts. His notion of "fidelity to the thing" may thus be profitably understood not only in the context of his reflections on melancholy and his theories of the ruin and of allegory, but also as central to his materialist theory and philosophy of culture. What is the relation in his thought between 'thingness' and the conceptual dyad of original/copy, for example, and how are we to understand the implications of his analyses of specific historical objects he observed around him in the world for his meta-theoretical concept of the thing? The papers in this section take as their focus the ways in which Benjamin's theory of collecting may be understood as mediating between his many modes of thinking and writing.
SECTION 4:KNOWLEGDE OF ART
(Sabine Flach)"Many of those photographers who shape the character of this technique today, originally came from painting. They turned away from it after trying to relate its means of expression more closely to contemporary life. The more they were alert concerning the signature of their time, the more problematic became this starting point for them." Benjamin's concern with the point of departure expressed in his A Small History of Photography mirrors his faithfulness to painting, to art and the practices of the arts, all of which are used as a background for reflecting on new technologies of art and media. Among other topics, contributions should discuss Benjamin's interest in the alterations to the perception of the ambient world (the "optical unconscious"), his program of an "interpenetration of art and science" and his numerous reviews of art exhibitions. Thus, the panel aims to re-read the relevance and meaning of the arts in Benjamin's thinking.
SECTION 5:TRUE TO THE LETTER
(Bettine Menke)To what extent is fidelity a means of identifying Benjamin's attitude toward citation, toward processes of writing and reading, toward words and letters? Is fidelity necessary in order to be true to his texts? Melancholic "fidelity" cannot be isolated from "betrayal". Benjamin's criticism is aimed at the "attitude of the philologist", who becomes easily caught up in the illusion of the immediacy of philological as well as historical givens and falls prey to a mythical concept of reality. A reading of Benjamin that pays close attention to his wordings takes a different path and confronts their decomposability (Zerlegbarkeit). This approach marks the manner in which fidelity to Benjamin's readings and to readings of Benjamin's texts can be assessed.
SECTION 6:TREACHEROUS FAITHFULNESS TO CITATION
(Gerhard Richter)Walter Benjamin's radical philosophy of language and his politics of representation are inseparable from his concepts of citing and citation. Benjamin writes: "Before language both realms - origin as well as destruction - identify themselves in citation. And, conversely, only where they traverse each other - in citation - is language perfected." Proposals should pursue Benjamin's treacherous faithfulness to citation in the diverse areas of his writings - for instance, in his practice of literary reading, his media theory, his philosophy of history, or in the deconstruction of the concept of faithfulness itself.
SECTION 7:LEGACY AND WRITING
(Burkhardt Lindner)We owe the present corpus of Benjamin's works to the history of their inheritance. The impact of his texts was belated, coming after the catastrophe of World War II. Their relevance hinges on their unique capacity to combine seemingly incompatible thoughts and ideas. Yet, many of his most popular texts have only been made available, because they were first selected and then edited on the basis of archived material. That this was possible is due to the author's decision to keep the majority of his sketches, manuscripts and notes for posterity: he conceived of them strategically as part of his legacy. This questions the principle of "Werktreue," according to which only the final version (Fassung letzter Hand) is authoritative. The section will address the consequences of this curatorial approach to reading and editing Benjamin's texts today.
SECTION 8:FIDELITY, POLITICS AND FETISHISM
(Jeanne-Marie Gagnebin)When looking at Benjamin from a political perspective it is not enough to classify him and his writings as characteristic of a left-wing ideology; rather, it is also important to contribute to the critical transmission of his political thought. This implies that abstract research into Benjamin and the reception of his work using universal criteria are not sufficient. Instead, one needs to explore the specific historical and geographical determinations of this reception and evaluate cultural differences. In this section, the apparent "fatigue" of philological research on Benjamin in Europe will be confronted with approaches in countries having a shorter history of the reception of Benjamin's political legacy, where one can find more immediate and direct attempts to apply Benjamin's thinking to current political and social phenomena and conflicts.
SECTION 9:POPULAR BENJAMIN
(Justus Fetscher)Simple renarrations of Benjamin's life (comics, novels, films) risk a reductive understanding of Benjamin as an esoteric thinker and a committed intellectual. While popularizations of Benjamin (Jay Parini, François Darnaudet etc.) seem to be appalling simplifications, they also represent genuine transformations of his opus and demonstrate the powerful and unavoidable interferences between fiction and theory. Benjamin's resistance to a compartmentalized approach to art, the flexibility of his theoretical reflections on the media, and the variety and virtuosity of his own writing techniques suggest the relevance of references to Benjamin, in which this aspect of his thinking transforms the cultural idioms of his intellectual heirs. Approaches that go further in the direction Benjamin specified, even to the point of distancing themselves from his views, might possibly come closer to what he himself propagated.
SECTION 10:CORRESPONDENCES
(Momme Brodersen)There is a persistent myth that Benjamin was intellectually isolated throughout his life - at least in his years of exile - and that only a very limited number of personal relationships contributed to his intellectual development (e.g. Adorno, Brecht and Scholem). But the evidence, especially with reference to his correspondence (numerous letters addressed to Benjamin are either not or are only partly known today), demonstrates that his intellectual socialization took place in a dense network of relationships and acquaintances. Instead of wanting to remain true to an essential "genuine self" in this interplay of exchange, stimulation and criticism, he displayed a disposition to "receive a new being within himself" in his dealings with others. This section will explore the traces of accord and disagreement, productive adoption and indifference in these encounters, moving beyond mere biographical reconstruction by opening up hew horizons for the interpretation of specific moments in Benjamin's thought processes.
SECTION 11:PERFIDIOUS HISTORY
(Paul North)Papers should address Benjamin's rejection of the historicist demand that historical scientists handle their objects in good faith. But the assertion that history betrays its objects does not go far enough. Can history remain faithful to itself as an idea? Do Benjaminian concepts that refer to history-from "unendliche Erstreckung" in the 1915 essay on Hölderlin to "Katastrophe" in the Paris arcades fragments, and many in between-not require more than one theory of history, perhaps even a historically articulated theory of history in order to be understood? Would a constant theory of history even survive the "catastrophe"? This section addresses the epistemological crisis that such a treacherous theory of history triggers and the critical response it receives in Benjamin's writings.
SECTION 12:TRANSLATIONS AND TRANSFORMATIONS
(Karl Solibakke)"If the kinship of languages manifests itself in translations, this is not accomplished through the vague similarity between adaptation and original." Rather, liminal spaces with clandestine meanings emerge, which have to be perceived as dynamic venues of translation: as possibilities to spawn new relationships, situations and interactions using translation processes. Starting from Benjamin's idea that translation is an agent of difference, the section intends to document concrete examples of recent efforts to translate Benjamin's works into foreign languages and cultural paradigms. Apart from "fidelity to the original", issues involving cultural transferal, liminality and reconfigurations of meanings should be addressed, especially those that have encouraged a "recharting" of Benjamin's intellectual legacy.
SECTION 13:RELIGION, THEOLOGY AND COMMEMORATION
(Vivian Liska, Daniel Weidner)"The experience of commemoration forbids us to conceive of history in fundamentally atheological terms, however little one ought to attempt to write it in directly theological categories." Benjamin's "theology," his explicit and insistent resorting to religious concepts and practices follows a complex logic. Religion is, for him, simultaneously a paradigmatic model of tradition - which is also always an act of destruction - and its object, albeit an object requiring as much as preventing fidelity. As the quote suggests, this project oscillates between an experience marked by traces of the sacred, and the act of writing, in which these traces can be articulated in the first place. This section explores the interaction between Benjamin's recourse to the religious tradition and his modes of writing and addresses recent attempts to pursue this tradition in the work of Jacques Derrida, Giorgio Agamben and others.
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Aufgrund der zugesandten Beiträge wurde die Sektion 3 neu formiert und heißt jetzt:TREUE ZUM DINGSEIN bzw. TRUE THINGS.
Inhaltliche Änderungen lesen Sie bitte unter der ausführlichen Sektionsbeschreibung nach.
Tagungsgebühr
Die Tagungsgebühr beträgt 60,00 €.Für Mitglieder der IWBA und der IWBG gilt eine ermäßigte Tagungsgebühr von 30,00 €.
Anreiseempfehlungen
Ausführlich Informationen zur Anreise können Sie hier herunterladen.Hotels und Lageplan
An dieser Stelle können Sie eine Auflistung der Hotels, die sich in der Umgebung des Tagungsortes befinden, sowie den dazugehörigen Lageplan herunterladen.Ein Anmeldeformular für das "Ibis Hotel Antwerpen Centrum" können Sie hier herunterladen.
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